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Flächendeckende Tests in St. Ulrich (Artikel auf www.stol.it)

18.04.2020
Von wegen 3 bis 6 Prozent Durchseuchung: Eine flächendeckende Testung mittels Antikörper-Schnelltests fördert dieser Tage in St. Ulrich Erstaunliches zu Tage.

Knapp 49 Prozent der getesteten 456 St. Ulricher weisen Antikörper gegen Covid-19 und somit eine längerfristige Immunität auf. Das ist nahezu das 50-Fache der Zahlen in den offiziellen Sanitätsbetriebsstatistiken. Die Hilfe zur Selbsthilfe in Form von 1000 Antikörper-Schnelltests organisierte das ADLER Balance Gesundheitszentrum.

Mit den flächendeckenden Tests wurde am vergangenen Dienstag begonnen. Mittlerweile – Stand Freitagabend – wurden 456 St. Ulricher getestet, und fast die Hälfte weisen Antikörper auf. Über 2 Drittel der Getesteten sind zwischen 20 und 59 Jahre alt. Und wichtiges Detail am Rande: Fast ein Drittel gab an, keinerlei Symptome gehabt zu haben.

„Das ist, auf die Bevölkerung hochgerechnet, das 40- bis 50-Fache der offiziell 53 Infizierten. Für mich ist das nicht so überraschend, denn in Gröden sind die Infektionen bereits ausgebrochen, als in Terlan der erste Covid-19-Infizierte festgestellt wurde. Unsere Grippewelle war eine Coronawelle. Ich gehe davon aus, wenn man in Wolkenstein testen würde, wäre der Anteil noch höher. Das Erfreuliche ist, dass wir schon eine gewisse Herdenimmunität haben. Bei 80 Prozent Infizierten rottet sich das Virus selbst aus, weil es keine Ansteckungsmöglichkeiten mehr findet“, sagt Dr. Simon Kostner.

Der St. Ulricher Gemeindearzt, der im Übrigen selbst sehr schwer am Coronavirus erkrankt war, führt mit seinen Hausarzt-Kollegen Dr. Cordula Weber und Dr. Pablo Policastro sowie der Krankenschwester Karin Planker – unterstützt vom ADLER Balance Gesundheitszentrums unter der Leitung von Sara Romanelli – die Schnelltests ehrenamtlich durch.

Pro Tag 100 Tests

„Pro Tag schaffen wir 100 Tests. Ende nächster Woche sollten wir die ersten 1000 Tests alle durchgeführt haben“, sagt Dr. Kostner. Gestestet wird in Schutzausrüstung am Eingang zum Gesundheitszentrum. „Und zwar, wer sich angemeldet hat – nach Zufallsprinzip. Die Möglichkeit, sich zum Selbstkostenpreis von 30 Euro testen lassen zu können, hat sich mittels per Mundpropaganda herumgesprochen wie ein Lauffeuer. Alle 1000 Tests, die da sind, sind bereits vorgemerkt, und für die nächsten 1000 ist die Warteliste bereits voll“, sagt Dr. Kostner.

Aber wie treffsicher ist der in St. Ulrich angewandte Schnelltest, zumal deren Validität kontrovers diskutiert wird? „Unser Schnelltest ist ein Test, der aus Wuhan kommt, und der eine erklärte Spezifität von 100 Prozent hat. Wenn mittels Test Antikörper nachgewiesen werden, heißt das, dass der Betreffende zu 100 Prozent mit dem Covid-19-Virus infiziert war und mit keinen anderen der Coronaviren-Familie. Es gibt keine Falsch-Positiven“, so Dr. Kostner.

Und wie geht der Test vor sich? „Dazu braucht es einen großen Tropfen Blut aus einem Finger. Dazu werden Reagenzien aufgetragen. Nach 10 Minuten liegt das Ergebnis vor, wird von uns unterschrieben und stellt insofern eine offizielle Bescheinigung dar“, so Dr. Kostner.

Was hat die Hoteliersfamilie Sanoner, u.a. Besitzer des Gesundheitszentrums im gleichnamigen Hotel in St. Ulrich, bewogen, diese Schnelltests zu organisieren? Dazu meint Klaus Sanoner, dass man angesichts der nachlassenden Infektionswelle eigentlich die Mitarbeiter habe testen lassen wollen. „Aber weil das Bedürfnis der Bevölkerung, sich testen zu lassen, so groß ist, haben wir uns entschieden, die Testung auszudehnen“, sagt Sanoner; zumal St. Ulrich zu den besonders betroffenen Gemeinden zählt.

Einige über das eigene Testergebnis verwundert

Mit der flächendeckenden Testung wollte man aber noch eines zeigen: „Die Virus-Erkrankung ist unbestritten eine gefährliche. Bei all dem Leid lässt die Testung in St. Ulrich aber auch eine optimistische Interpretation offen. Die meisten, die die Infektion durchgemacht haben, haben sie relativ gut weggesteckt.“ Einige, so Sanoner, seien sogar über das eigene Testergebnis verwundert gewesen und über die Tatsache, bereits mit der Krankheit in Kontakt gekommen zu sein.

„Da wir voraussichtlich einige Zeit mit dem Virus leben werden müssen, ist das eine nicht zu unterschätzende Erkenntnis. Wir sollten daraus Mut schöpfen, zu einer Öffnung überzugehen, natürlich bei Einhaltung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen und mit Vertrauen auf die Selbstverantwortung der Südtiroler. Dies auch, um einen enormen sozialen und wirtschaftlichen Schaden von ganz Südtirol abzuwenden“, so Hotelier Klaus Sanoner.

(Artikel vom 18.04.20202 auf www.stol.it)

Frage gestellt von IS-Admin am 18/04/2020 14:14:52

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